Es klang zu gut, um wahr zu sein: Ein Haus in der Südstadt, in das studentisches Leben einziehen soll. Nur ein paar Meter weg vom Segensbüro – so war es zu erklären, dass die Familie über uns gestolpert ist. Im wahrsten Sinne, auf dem Weg zum Essen. Sie fragten: Könnt ihr unser Haus segnen? Wir sagten: Nein, aber. Wir segnen keine Dinge. Wir können aber ein Ritual für die Menschen bauen, die einziehen. Und können dies sichtbar machen, so dass auch die zukünftigen Menschen wissen: Hier ist ein Ort des Segens. Abgemacht.
Abends um halb acht waren wir verabredet. Kleine Hausführung. Winziger Grundriss, pro Etage eine Wohnung mit einem Raum plus Küche und Bad. Oben dann eine Dachterrasse mit spektakulärem Blick. Hätte ich auch genommen – nicht nur als Student. Ich sehe auch: Es ist noch viel zu tun. Aber gerade das ist ja das Schöne an alten Häusern: Gestalten können. Träumen, wie es werden könnte.
Wir beten eine kleine Liturgie. Es geht ums ideelle Erbe, dass die Familie antritt nach all den Generationen, die vorher hier lebten. Es geht um Wertschätzung der Geschichte. Und um das neue Kapitel, das nun anbricht. Wir vergolden ein Stück der Tür. Als Erinnerung: Dies ist ein Gottesort. Wie alle Orte auf der Erde, nur eben sichtbar. Und ich lasse eine kleine Kapsel da. Mit dem Segensvers. Diese soll in die Wand eingegipst werden. Als Erinnerung – und vielleicht auch als Überraschung, wenn in vielen Jahren wieder wer Neues das Haus übernimmt.

